"Eher gewinne ich im Lotto…": Warum wir oft nicht so rational entscheiden, wie wir glauben
Shownotes
Auch wenn wir glauben, rational zu entscheiden, spielt uns unser Gehirn und unsere Wahrnehmung oft einen Streich. Es ist – auch für mathematisch begabte Menschen – nicht einfach, Statistiken und Zahlen mit Emotionen zu verknüpfen bzw. die Emotionen aus der Entscheidung herauszuhalten. Umso schwieriger wird es, wenn es um Fragen der Therapie nach einer schwerwiegenden Diagnose geht.
In dieser Episode hilft uns die Psychologin Lisa Göschlberger, die häufigsten psychologischen Wahrnehmungsverzerrungen zu verstehen – damit sie uns bei unseren Entscheidungen möglichst nicht im Weg stehen.
Außerdem hören Sie von Claas Röhl, dessen Tochter vor vielen Jahren mit einer schwerwiegenden und seltenen Krankheit diagnostiziert wurde. Wie ging es ihm? Wie konnte er in dieser Situation Entscheidungen für ein Kleinkind treffen?
Eine Episode über Rationalität, Emotionen und die Kunst, auch in schwierigen Momenten handlungsfähig zu bleiben.
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00:00:02: Hallo und willkommen zu einer neuen Episode von.
00:00:04: Ab jetzt ist alles anders, Leben nach und mit einer schwerwiegenden Diagnose.
00:00:10: Dieser Podcast hat es sich zum Ziel gesetzt, sich mit den mentalen Herausforderungen auseinanderzusetzen die die allermeisten Menschen durchleben wenn sie eine schwerwiegende Diagnosse erhalten.
00:00:20: Denn die körperlichen Beschwerden damit umzugehen – mit den Therapien- und Nebenwirkungen das ist das Eine!
00:00:26: Das andere ist, mental und psychisch zu verstehen und zu verarbeiten was da gerade mit einem passiert.
00:00:33: Viele Menschen stoßen in dieser Situation auf ähnliche Fragen von ganz praktischen Dingen die plötzlich ganz anders sind bis zur Frage wie man mit der Angst vor einer ungewissen Zukunft umgeht.
00:00:44: Für diesen Podcast versuchen wir deshalb eine Vielzahl an Stimmen einzufangen Von Patientinnen über TherapeutInnen und PsychologInnen bis zum Menschen die in der Pflege arbeiten.
00:00:55: Und für diese, für die zweite Staffel haben wir uns auch einen Schwerpunkt gesetzt.
00:00:59: Nämlich die Frage, wie man eine richtige, gute Entscheidung treffen kann!
00:01:04: Und genau darum soll es heute in dieser Episode gehen.
00:01:08: Denn heute dreht sich alles darum, wie unsere Hirne funktionieren – in welchem psychologischen Fallen wir sehr leicht tappen einfach nur weil wir Menschen sind und Informationen auf eine bestimmte Art und Weise verarbeiten, nicht immer hilfreich ist.
00:01:26: Egal ob wir mathematisch begabt sind, ob wir logisches Denken schätzen oder glauben rationale Menschen zu sein – oder nicht!
00:01:34: Wir alle unterliegen sogenannten kognitiven Verzerrungen….
00:01:38: …oder wie Psychologin Lisa Göschelberger es auf den Punkt bringt.
00:01:42: Wir haben natürlich auch so Wahrnehmungsfehler.
00:01:47: die hat jeder von uns
00:01:48: Und diesen Wahrneemungsfehlern wollen wir uns heute widmen Genauso wie Sie in dieser Episode von Klaas Röhl hören werden.
00:01:56: Er ist Vater einer mit einer schwerwiegenden Krankheit diagnostizierten Tochter und er erzählt, wie sein Zugang ist zur Frage nach Verantwortung und Entscheidungsfindung.
00:02:06: Bevor wir loslegen noch kurz zu mir – mein Name ist Iris Brodschnick und ich bin Journalistin!
00:02:11: Und für diese Staffel habe ich mit meiner Kollegin Sandra Herbsthofer zusammengearbeitet.
00:02:16: Dieser Podcast ist finanziert durch die AOP Health.
00:02:23: Also beginnen wir am Anfang, bei dem Grundwert den wir gerne Entscheidungen geben würden.
00:02:28: Vor allem wenn es um so etwas Naturwissenschaftliches wie unsere Gesundheit die Medizin oder unseren Körper geht.
00:02:35: Ich glaube ich spreche dafür viele wenn ich sage Wir wollen am liebsten möglichst rational entscheiden Was ist gut was is schlecht Wer hat die richtige Meinung wer die richtigen Argumente?
00:02:46: Am allerbesten sollte vielleicht noch jemand das Risiko einschätzen und uns zusätzlich sagen können, ob wir auf der Seite stehen die zu vierzig Prozent von der Therapie profitieren wird oder doch auf der anderen Seite.
00:02:58: In einer idealen Vorstellung sammeln wir alle Informationen – legen sie vor uns auf den Tisch, wiegen der eine gegen andere Möglichkeit auf und entscheiden uns natürlich für das Richtige!
00:03:10: Aber….
00:03:11: Es ist natürlich klar, wenn man das so ausspricht, dass man darüber fast lachen muss.
00:03:15: Selbst mit allen Informationen kann man nicht die Zukunft vorhersehen – ganz abgesehen davon, dass wir niemals alle Informationen sammeln können!
00:03:24: Und es beginnt doch schon viel früher nämlich bei der Vorstellung, dass in einer Ausnahmesituation und das IST eine Diagnose nun mal, dass Wir in dieser emotional beladenen Ausnahmensituation optimal funktionieren und rational handeln könnten….
00:03:39: Dabei funktioniert das ja selbst im Leben ohne Diagnose nicht ganz so gut.
00:03:44: Wir kaufen Häuser, weil wir uns dort wohlfühlen und übersehen wissentlich notwendige Renovierungsarbeiten.
00:03:51: Wir wählen Parteien, weil sie uns emotional ansprechen, ohne dass wir notwendigerweise das gesamte Parteiprogramm kennen.
00:03:57: Wir verlieben uns in Menschen von denen wir wissen, dass wir möglicherweise nicht die ganz gleichen Lebensvorstellungen haben oder wir kaufen spontan Kleidung, die wir niemals tragen werden weil es uns eigentlich zu klein ist.
00:04:11: Das menschliche Gehirn, so sind sich verschiedene Wissenschaften mittlerweile einig, ist schlecht für Rationalität gerüstet und das liegt zum einen daran dass wir selbst unsere eigenen Wahrnehmung nur schlecht trauen können denn wir ordnen das was wir sehen immer in unser eigenes Denkmuster ein wie die Psychologin Lisa Göschlberger erklärt
00:04:35: Unsere Meinung, unsere Werte.
00:04:37: Die sind ja ganz was wichtiges aber es ist natürlich schon so wenn wir jetzt Informationen suchen oder auch Informationen bekommen dass wird die dementsprechend halt einfach.
00:04:46: auch filtern kennt jeder.
00:04:48: wahrscheinlich weiß ich nicht.
00:04:49: man überlegt sich ein neues auto zu kaufen weiss ich nicht in der farbe gelb weil das hat sonst keiner und ich möchte gern etwas außergewöhnliches und plötzlich fallen mir überall lauter gelbe Autos auf Und da ist es halt auch ähnlich.
00:05:02: Das heißt, dass wir natürlich Informationen, Fakten die eher zu unserer Meinung passen mehr wahrnehmen, dem mehr Gewicht geben oder die uns besser merken als
00:05:18: andere.".
00:05:19: Mit dem Wunsch nach einem gelben Auto verändert sich plötzlich unsere Wahrnehmung – was vorher unsichtbar war scheint plötzlich überall zu sein!
00:05:27: Auf eine Diagnose übertragen könnte das heißen, dass man plötzlich überall davon hört und liest – gleich sogar überall von Horror-Meldungen hört und ließt oder dass einem Nebenwirkungen mehr auffallen weil man weiß, dass sie vorkommen könnten.
00:05:42: Häufigkeitsillusion oder Frequency Illusion nennt man das in der Psychologie.
00:05:48: Und das ist nur Wahrnehmungseffekt Nummer eins vor dem man sich in Acht nehmen sollte!
00:05:54: Ähnlich schwer tun wir uns dabei einzuschätzen, was denn nun wie wahrscheinlich ist.
00:06:00: Wenn wir danach suchen, dann sehen wir es öfter – das war Effekt Nummer eins!
00:06:05: Aber auch der umgekehrte Effekt kann eintreten… wenn etwas nämlich medial sehr präsent ist?
00:06:10: Wenn sagen wir plötzlich alle von gelben Autos sprechen, dann glauben wir dass das, worüber gesprochen wird, eher wahrscheinlich ist als etwas anderes... Unsere Wahrnehmung wird dahingehend verzerrt, dass wir plötzlich glauben mehr gelbe Autos zu sehen.
00:06:26: Einfach weil alle auf Social Media oder im Freundeskreis oder im Fernsehen oder in der Zeitung über gelbe Auto sprechen und zusätzlich
00:06:34: Dinge die einfach für uns sehr emotional sehr präsent sind, die medial sehr präsent sind.
00:06:40: das kommt uns dann halt auch viel viel wahrscheinlicher vor.
00:06:43: Wenn ich nicht in meinem Umfeld drei Freundinnen habe, die Brustkrebs haben, stellt sich meine eigene Wahrscheinlichkeit, Brustkrips zu bekommen viel höher ein.
00:06:53: Obwohl sich meine persönliche Wahrscheinlichkeiten durch die drei Fälle nicht verändern!
00:06:59: Ich möchte das nochmal wiederholen – doch die Häufigkeit in meiner Umgebung ändert sich die Wahrscheinlichheit nicht.
00:07:06: auch wenn es uns so vorkommt Wer auf einmal mehr Sexer würfelt, glaubt Glück zu haben und glaubt es beim nächsten Mal möglicherweise wieder mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einen Sexerwürfeln wird.
00:07:18: Aber das ist natürlich nicht so!
00:07:20: Der Würfel merkt sich nicht was davor gewürfelt wurde – und Brustkrebs im Freundeskreis ist nicht übertragbar….
00:07:28: aber ich glaube wir kennen diesen Effekt alle ….
00:07:30: Wir fallen auch wenn wir uns als eher rationale Menschen bezeichnen würden trotzdem leicht darauf hinein….
00:07:37: Wer einen Namen dazu haben möchte, dieser psychologische Effekt nennt sich Verfügbarkeitsheuristik.
00:07:44: Was uns leider gar nicht dabei hilft, diese Verfügbarkeitheuristic etwas entgegenzusetzen ist die Tatsache dass uns emotionale oder auffällige Fälle sehr viel stärker im Gedächtnis bleiben.
00:07:56: Wenn wir jemanden kennen der von jemandem gehört hat dem zum Beispiel die Haare ausfielen nachdem er ein spezifisches Medikament eingenommen hat dann werden wir uns daran erinnern Auch wenn wir es selbst nicht überprüfen können, ob diese Geschichte da nun wahr ist.
00:08:11: Ob dieser Haarausfall tatsächlich etwas mit dem Medikament zu tun hat?
00:08:15: Wir wissen es nicht aber – wir werden daran denken, wenn wir dieses Medikant vor uns sehen!
00:08:21: Wir sind als Menschen sehr stark darauf gepolt Emotionen und Geschichten Glauben zu schenken Impositiven wie im Negativen.
00:08:33: Die Geschichte dieser einen Personen, die wieder allen katastrophalen äußeren Umständen die Krankheit überwunden hat kann Hoffnung geben.
00:08:42: oder die Geschichte der einen Person, der es furchtbar ging nach diese einen sehr üblichen Therapie, die Hunderte an Menschen nehmen können die Zweifel größer werden lassen.
00:08:52: Wir folgen Erzählungen und nicht Zahlen Denn welche dieser beiden Aussagen bleibt uns im Gedächtnis?
00:09:00: Aussage Nummer eins, dieses Medikament hilft weltweit sehr vielen Menschen.
00:09:06: Oder Aussage zwei, dieses medikament hat bei einer jungen Mutter nach kurzer Zeit schwere Nebenwirkungen ausgelöst – was davon wiegt in unserer Wahrnehmung schwerer?
00:09:19: Obwohl rein rational die erste Aussage viel relevantere Informationen enthält wenn sie nun von einer zuverlässigen Quelle stammt merken wir uns trotzdem fast immer die zweite Ehe weil sie sich emotional in unserem Hirn verankert.
00:09:33: Wir haben ein Bild, eine Geschichte und eine Vorstellung dazu.
00:09:37: Anekdotische Evidenz nennt sich das – wir hatten in der letzten Episode auch schon kurz davon gesprochen!
00:09:42: Weil diese Anekotische Evidence unser Narrative-Bias, unsere Tendenz viel eher Geschichten als Zahlen zu glauben, auch da zu führen kann den falschen Menschen Glauben zu schenken einfach weil wir ihnen glauben wollen.
00:09:57: Denn wie Lisa Göschelberger sagt
00:10:00: Wenn ich da jetzt höre, der hat das genommen und war geheilt.
00:10:02: Natürlich bin ich dann gleich Feuer- und Flamme dafür.
00:10:06: Aber natürlich sammle ich Informationen, ich höre mal das an nicht schau mir das an aber natürlich bewerte und gewichte es auch.
00:10:19: Statistisch relevant ist eine Stichprobengruppe an Menschen erst wenn sie groß genug ist um Rückschlüsse auf die gesamte Gruppe an Menschen zu erlauben über die eine Aussage getroffen werden soll ohne dass dabei der Zufall die Ereignisse zu stark beeinflusst.
00:10:37: Der Nachbar und ein, zwei Menschen mehr sind dabei für so eine Gruppe niemals groß genug.
00:10:42: Auch zehn Menschen, die von etwas erzählen machen keine statistische Relevanz aus – auch wenn uns das möglicherweise aus Erzählungen so vorkommt!
00:10:54: Also ich fasse kurz zusammen was wir nun schon gehört haben.
00:10:58: Erstens Wir alle suchen bewusst oder unbewusst bevorzugt Informationen, Zweitens, wir glauben emotionalen Einzelgeschichten sehr viel eher als neutralen Statistiken.
00:11:12: und drittens, wir gewichten das was uns häufig unterkommt stärker als es der Wirklichkeit entspricht.
00:11:18: Achtung also vor diesen Wahrnehmungsverzerrungen!
00:11:27: Noch schwieriger als für sich selbst abzuwägen, rational zu sein und für sich die richtige Entscheidung zu treffen ist es wenn diese Entscheidung nicht einen selbst sondern das eigene Kind betrifft.
00:11:38: Eine Person die davon erzählen kann ist Klaas Röhl.
00:11:41: seine Tochter wurde im Alter von nur sieben Monaten mit einer sehr unberechenbaren und noch dazu seltenen Krankheit diagnostiziert.
00:11:50: Das ist mittlerweile schon viele Jahre her und ich glaube, dass diese lange Zeit auch ein Grund ist warum Claas Röhl nun so darüber sprechen kann wie er es tut.
00:11:59: Denn er hat über die Jahre hinweg auch seine Rolle verändert.
00:12:02: Er war nicht nur betroffener Elternteil sondern begann sich sehr aktiv zu engagieren gründete eine Patientenvertretung den Verein NF Kinder und baute das erste Expertisezentrum zu dieser Krankheit in Kooperation mit der Medizinischen Universität auf.
00:12:18: Er sagt
00:12:18: Ich glaube, man hat immer vor allem Angst für die Dinge, die man nicht versteht und die man sich kennt.
00:12:23: Und die plötzliche Diagnose mit einer seltenen Erkrankung von der man noch nie etwas zuvor gehört hat war so eine unbekannte große Unbekante, die einem Angst gemacht hat.
00:12:34: Deswegen wollte ich mich eigentlich immer einlesen und das besser verstehen.
00:12:38: Wollte aber auch wissen was gibt es denn für Optionen?
00:12:41: Für Möglichkeiten Behandlungsmöglichkeiten etc... Neben dem, dass man sozusagen mit der Angst umgehen möchte.
00:12:48: Was sicherlich auch ein stückweites Gefühl meiner Pflicht als Elternteil nachzukommen und als Vater.
00:12:56: Also ich möchte ja alles was in meiner Macht steht tun und meine Tochter zu helfen sie zu
00:13:02: unterstützen.".
00:13:03: Und dazu zählte Suclas Röhl für ihn eben auch sich über diese seltene Erkrankung bestmöglich selbst zu informieren So gut vorbereitet in Erzgespräche zu gehen, dass man Therapiemöglichkeiten auch mitdiskutieren kann.
00:13:16: Dass man nicht eine Meinung ausgesetzt ist – vor allem eben weil diese Krankheit so selten ist -, dass man nicht davon ausgehen konnte, dass sich alle Ärzte hier auskennen.
00:13:27: Ein Weg sich auszutauschen war dann in Foren mit anderen Angehörigen und Betroffenen.
00:13:33: aber….
00:13:34: Was in Foren im Austausch mit anderen Betroffenen, glaube ich ganz wichtig ist es so Erfahrungen auszutauschen.
00:13:40: Was da nicht passieren darf manchmal aber passiert ist das quasi um einen medizinischen Rat gefragt wird.
00:13:48: und wenn das passiert dann in einem Forum wo ich eine Adminrolle habe in der Facebook Gruppe zum Beispiel haben wir da ganz klar definiert dass wir aufmerksam machen dass wir alle hier medizinisch allein sind und nicht einen medizinischen Rat erklären.
00:14:06: Wofür man solche Fohren aber gut nutzen kann, sind praktische Ratschläge?
00:14:11: Zum Beispiel...
00:14:12: Wenn es darum geht okay wie kann ich zu Hause zum Beispiel ja was kann ich tun um ein Kind aufs MRT vorzubereiten.
00:14:19: Kann ich natürlich sagen was habe ich zuhause gemacht?
00:14:22: wir haben auf YouTube MRT-Geräusche gefunden.
00:14:27: Da haben meine Tochter einen Kopfhörer aufgesetzt, damit sie sich an die Geräusche gewöhnt.
00:14:30: Wir haben geübt stillzulegen und sich zu entspannen.
00:14:37: Und sie hat das dann geschafft seit sie vier Jahre alt ist.
00:14:40: Das ist MRT ohne Narkosenschaft!
00:14:42: Und dass es eine Riesenerleichtung für meine Tochte, der nicht narkotisch ist, also nicht sediert werden muss und für uns als Eltern, Ein und ein halb Tage lang verliert wegen einem MRT, sondern mittlerweile fahren wir dahin machen.
00:14:57: Das MRT in einer Stunde ist immer wieder fertig.
00:14:59: Also da gibt es glaube ich Beispiele wo der Erfahrungsaustausch immer wichtig ist aber medizinischen Fragen muss man aufpassen.
00:15:09: Voren können also sehr hilfreich sein vor allem um Ängste zu nehmen und sehr praktische Tipps zu geben.
00:15:16: Ein solcher Tipp den wir hier auch geben möchten weil er so gut zur heutigen Folge passt ist jemanden in einen Arztgespräch mitzunehmen einen zweiten Kopf sozusagen, der mithören kann und dabei andere Gefühle und Emotionen durchlebt und dadurch möglicherweise Informationen anders einordern kann.
00:15:34: Oder wenn es schwer ist eine zweite Person zu finden dann einen Zettel bereit zu halten die erklärten Fakten aufzuschreiben und vor dem Gehen noch mal vorzulesen.
00:15:44: Habe ich etwas vergessen?
00:15:46: Nein?
00:15:46: Ja okay danke!
00:15:49: Und dann kann man sich später in Ruhe nochmal diesem aufgeschriebenen Widmen.
00:15:53: Denn zwei psychologische Effekte möchte ich Ihnen in dieser Episode noch vorstellen, zwei die vor allem bei einem Arztgespräch zum Tragen kommen und die Wahrnehmung eines Gesprächs stark beeinflussen können.
00:16:05: Zum einen ist es der sogenannte Anker-Effekt – der besagt nämlich dass wir Informationen dahingehend gewichten, in welcher Reihenfolge sie uns vorgetragen werden.
00:16:16: Wenn ein Arzt oder eine Ärztin als Erster sagt Sie haben eine unheilbare Krankheit Und dann im weiteren Verlauf dieser Krankheit erklärt und ihnen dabei möglicherweise sogar mitteilen will, dass es für diese Krankheit gute Behandlungschancen gibt, das man gut damit leben kann.
00:16:32: Dann wird höchstwahrscheinlich trotzdem bei Ihnen erst mal eines übrig bleiben – das Wort unheilbar!
00:16:39: Oder umgekehrt?
00:16:41: Wenn Ihnen jemand erzählt, sie haben eine Krankheit, für die gibt es gute Be Handlungsmöglichkeiten, die allermeisten Menschen spüren erstmal kaum Symptome Na ja gut, es gibt keine Heilung.
00:16:52: Sie werden damit leben müssen aber es gibt eine wirklich gute Betreuung dazu?
00:16:57: Dann bleibt Ihnen wahrscheinlich übrig Ja ich werde gut damit leben können.
00:17:02: Was man diesem Effekt entgegensetzen kann ist eben eine zweite Person oder einen Stift und einen Zettel.
00:17:11: Und dann gibt es noch die sogenannte Verlustarversion.
00:17:14: Liebe sagt, dass wir sehr, sehr ungern Dinge verändern.
00:17:18: Veränderungen sind für Menschen immer schwer – auch wenn man weiß, das etwas gut wäre ist es in die Zukunft zu denken nicht immer leicht vor allem wenn ich ihm jetzt in der Gegenwart noch keinen Leidensdruck verspüre.
00:17:30: Lisa Gösselberger, die Psychologin, sagt...
00:17:33: Menschen tendieren gerne eben oft dazu nichts zu verändern.
00:17:38: Veränderungen sind unsicher.
00:17:39: Veränderung sind schwierig, Veränderungskosten kraft.
00:17:43: Das heißt dass wir Verluster auch kleine psychologisch stärker empfinden als gleichgroße oder sogar sehr viel größere Gewinne.
00:17:51: Wir treffen deshalb oft Entscheidungen um Verluste zu vermeiden selbst wenn eine objektiv bessere Option existiert.
00:18:00: Ich gebe Ihnen ein Beispiel Ein Patient mit chronischen Bluthochdruck soll weniger Salz essen Denn weniger Salz bedeutet weniger Bluthochdruck und damit ein geringeres Schlaganfallrisiko.
00:18:13: Man möchte nun ja meinen, dass diese Entscheidung einfach wäre – aber das ist sie natürlich nicht!
00:18:18: Denn weniger Salz bedeutet einen sehr spürbaren täglichen Verlust.
00:18:22: Und das mögen wir nicht.
00:18:24: Einfach weil wir Menschen
00:18:25: sind.".
00:18:26: Oder ein anderes Beispiel.
00:18:28: Ein Medikament verspricht gute Besserungschancen, aber man wird damit wahrscheinlich einiges an Gewicht zunehmen und damit den jetzigen Körper so wie man ihn kennt verlieren.
00:18:39: Was Lisa Gösselberger hier redet?
00:18:41: Wichtig ist diesen Verlust das zu sehen und zu sagen okay, nicht zu sagen ah ja mei macht er nichts.
00:18:47: und na da stimmt schon.
00:18:49: wenn ich bei mir jemand auch bin der vielleicht auf dass auch immer sehr viel Wert gelegt hat haben wir wieder bei den Werten Ah, dann macht das was mit mir.
00:18:58: Und es ist glaube ich auch noch wichtig, das zu sehen und zu sagen okay wenn ich dann fünfzehnzehntig Kilo mehr habe weil ich eben durch dieses Medikament so viele Wasser entlagungen hatte, dann mache das etwas mit mir um mit meinem
00:19:10: Wohlbefinden.".
00:19:11: Die Psychologin sagt also wir sollen nicht so tun als ob diese scheinbar kleinen Nebeneffekte eben nur klein sind.
00:19:18: man soll die Ängste vor diesen Veränderungen und Verlusten auch wenn sie von außen banal erscheinen nicht ignorieren, sondern sie ansehen und wahrnehmen und dadurch annehmen und in die Entscheidung mit einbeziehen.
00:19:33: Was Lisa Gösselberger zu all diesen psychologischen Effekten – und damit eine hergehenden Emotionen auch sagt ist – sich vor lauter gewünschter Rationalität keinesfalls von Wünschen und Hoffnungen abbringen zu lassen, sondern möglichst versuchen beides gleichzeitig erlauben.
00:19:51: Denn
00:19:52: natürlich sind Wünsche, Hoffnung, Träume, die sind ganz was wichtiges.
00:19:58: Aber ich glaube es ist schon wichtig da auch zu unterscheiden und zu sagen okay und was ist ein Wunsch?
00:20:04: Was ist ein Traum und was is'n Ziel?
00:20:07: Und Wünschträume die dürfen wir haben, ja so sagen wir.
00:20:12: am liebsten will ich morgen aufwachen und ich wäre wieder hundertprozent gesund.
00:20:17: Verständlich!
00:20:18: Ja aber halt zu sagen ok das in
00:20:20: einem Traum
00:20:23: Ein Traum oder ein Wunsch, den haben wir halt selber nicht in der
00:20:26: Hand.
00:20:28: Ich kann Lotto spielen aber ich habe es nicht in die Hand, ob morgen meine Zahlen gezogen werden ist einfach so.
00:20:32: Trotzdem darf ich träumen und was würde ich machen?
00:20:35: Nicht zehn Millionen Euro gewinnen, das würde ich damit machen.
00:20:39: Das darf schon sein!
00:20:40: Aber es ist heute schon wichtig daneben nicht aufs Leben oder auf die Realität zu vergessen.
00:20:44: Und das andere ist ein Ziel.
00:20:46: Nämlich zu sagen, ein Ziel ist etwas was ich selber durch meinen Verhalten
00:20:52: erreichen und beeinflussen kann.
00:20:56: Ja und damit sage ich für diese Episode Tschüss!
00:20:59: Und bis zum nächsten Mal wo wir uns einem sehr speziellen aber wichtigen Thema widmen werden der Frage nämlich wie eine klinische Studie abläuft Wie entscheiden sich Menschen daran teilzunehmen?
00:21:11: Und wie kann man verstehen ob man das für sich selbst will?
00:21:15: Bis dahin hätte ich noch eine Bitte.
00:21:17: Wenn Ihnen dieser Podcast gefällt oder Sie ihn hilfreich finden, dann empfehlen sie uns doch bitte weiter!
00:21:23: Schicken Sie diesen Podcast einer Person die das auch interessieren könnte?
00:21:27: Oder lassen Sie uns eine Bewertung mit fünf Sternen her?
00:21:32: Danke und bis bald.